Malireise 1.-11. März 2020

Vom 1.-11. März waren Ute und ich in Mali. Zusammen mit Mitgliedern unserer Partnerorganisation MALIKOOperation Mali pour le développement de base, haben wir viele Dörfer in der Region Koutiala besucht, einige, in denen ich schon im Dezember war und einige neue.

Eine unserer ersten Stationen war das Dorf N‘Guan in der Region Koutiala. Dort gibt es eine Entbindungsstation, die 2009 erbaut wurde. Der Bau wurde damals zu Beginn staatlich finanziert , wurde aber nie komplett fertiggestellt. Man erzählte den Dorfbewohnern, es sei kein Geld mehr da. Der Bau der ebenfalls geplanten, zur Entbindungsstation gehörenden Latrinen wurde erst gar nicht begonnen. Inneneinrichtung und Material wurden nie zur Verfügung gestellt und so konnte die Entbindungsstation nie in Betrieb genommen werden. Inzwischen befindet sich das Gebäude in einem traurigen Zustand und weißt viele Schäden auf, wie ihr auf den Fotos sehen könnt.  Es gibt keine Hebamme im Dorf. Die nächstgelegene Entbindungsstation ist ca. 10 km entfernt. Deshalb entbinden die meisten Frauen zuhause mit der Hilfe von tradionellen Geburtshelferinnen. Bei Komplikationen gibt es nur die Möglichkeit zu der nächstgelegenen Entbindungsstation in ein 10 km entferntes Dorf zu fahren.  (Mit dem Mofa, ein Auto hat dort niemand). Während der Regenzeit muss man dazu einen Fluss überqueren, was häufig, wenn dieser viel Wasser führt, gar nicht möglich ist. Das nächste Krankenhaus, in dem Operationen, z.B. Kaiserschnitte, durchgeführt werden können, befindet sich in Koutiala. Ein Dorfbewohner berichtet, dass seine Frau in der letzten Woche auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben ist.  Die Dorfbewohner sind verzweifelt und wollen nicht länger auf staatliche Hilfe warten.  Wir würden gerne helfen, aber müssen erklären, dass wir im Moment nichts entscheiden und tun können, aber in Deutschland diskutieren werden, ob die Renovierung und Ausstattung der Entbindungsstation ein Projekt für das kommende Jahr werden könnte. Einen ersten Kostenvoranschlag haben wir bereits vorliegen. Dafür wird dann natürlich ein Projektantrag zur Finanzierung erforderlich sein. (Es gibt in Deutschland mehrere staatliche Stellen und private Stiftungen, die Projekte unterstützen)

Ähnliche Situationen wie in diesem Dorf, Menschen, die von ihrer Regierung enttäuscht sind und ihr Schicksal mit großem Mut und Engagement selbst in die Hand nehmen wollen, begegnen uns oft auf der Reise. Zum Beispiel im Dorf Sansanding, in dem wir einen kurzen Zwischenstopp machen, wurde der Bau eines großes Krankenhauses mit mehreren Krankenzimmern, Chirurgie, Pädiatrie und Geburtshilfe begonnen, allein finanziert von den Ressortissants, d.h. von den Menschen, die aus dem Dorf stammen, aber inzwischen in Bamako oder im Ausland leben, ganz ohne staatliche Hilfe. Das Dorf gehört zur Region Segou, ist aber weit von der Stadt entfernt und es gibt weit und breit keine Gesundheitsversorgung. Im Moment gibt es allerdings einen Stillstand der Baumaßnahmen aufgrund von Geldknappheit.

Auch in dem Dorf Dogojne, das ich schon im Dezember besuchte, hatten die Dorfbewohener ja selbst die Initiative ergriffen und einen provisorischen Klassenraum gebaut. Hier soll das erste Projekt von MALIKO realisiert und ein stabiler Klassenraum gebaut werden. Dank der großartigen Unterstützung von MALIKOmitgliedern und anderen Spendern wurden 3000,00 Euro gesammelt und an MALIKO-Mali übergeben. Wir hoffen sehr, dass der Bau bald beginnen kann. Aber leider wissen wir nicht, inwieweit die Coronakrise in den nächsten Wochen und Monaten auch Mali beschäftigen wird, deshalb können wir im Moment nur hoffen, dass alles bald und wie geplant realisiert werden kann.

Auch die Maternité von Denjela, die im Dezember geburtshilfliches Material von uns erhalten hat, besuchen wir wieder. Die Hebammen hatten uns bei dem letzten Besuch erzählt, dass noch eine Babwaage, Licht und ein Kreissbett fehlen. Wir freuen uns sehr, dass wir diesmal eine Babywaage und eine Solarlampe übergeben können. Nun fehlt nur noch das Kreissbett.

Denjela

Ein weiteres Dorf mit einer sehr schlecht ausgestatteten Gesundheitsstation, Zangorola, erhält ebenfalls eine Solarlampe sowie Instrumente für kleine chirurgische Eingriffe.

Auch das Dorf Gueguesso haben wir wieder besucht. Bei unserem Besuch dort im Dezember, hatte die Hebamme erzählt, dass ihr dringend ein Blutdruckmessgerät und eine Babywaage fehlen. Deshalb haben wir beides bei TTM in Marburg gekauft und jetzt der Hebamme und dem Dorf übergeben. Diesmal war ein Bauunternehmer mit uns im Dorf und die Dorfbewohner erklärtem ihm ihr Problem mit der in der Regenzeit unbefahrbaren Straße und ihren Wunsch nach dem Bau eines Staudamms. Der Bauunternehmer war mit seinem Team am nächsten Tag nochmal dort und hat    einen Plan und einen Kostenvoranschlag erstellt. Inzwischen liegen uns zwei Kostenvoranschläge vor, die wir diskutieren müssen.

Das wichtigste Projekt dieser Reise waren Schulungen in der Zubereitung von Mangomarmelade und konservierten Mangostücken durch Ute. In Mali gibt es Mangos in großen Mengen und in vielen unterschiedlichen, extrem leckeren Sorten.  Außer der Trocknung sind Methoden der Haltbarmachung wenig verbreitet. Der Gedanke, dass die Familen dieses gesunde Lebensmittel das ganze Jahr über zur Verfügung haben könnten und dass sich vielleicht auch Frauengruppen zusammenfinden könnten, die so viel produzieren, dass sie Mangomarmelade und konservierte Mangostücke weiterverkaufen und ein kleines Einkommen erzielen könnten, hat uns sehr begeistert, aber wir waren uns nicht sicher, was die malischen Frauen von der Idee halten würden. Diese Sorge war unbegründet, denn die Schulungen stießen auf sehr großes Interesse und die während den Schulungen entstandenen Produkte auf große Begeisterung. Es gab in Koutiala insgesamt 5 Schulungen, alle mit mehr als 20 Teilnehmerinnen. Es wären sicher noch mehr gewesen, wenn wir nicht mit mehr oder weniger großem Erfolg versucht hätten, die Teilnehmerzahl zu begrenzen. Eine der Schulungen fand in dem Zentrum für behinderte Menschen in Koutialla statt. Auch wenn in Mali nicht immer  alles geordnet abläuft, hat Ute alle Schulungen hervorragend durchgeführt und die Teilnehmerinnen waren sehr motiviert. Einige Frauen aus Koutiala waren bei mehreren Fortbildungen dabei und haben inzwischen selbst Schulungen in unterschiedlichen Dörfern durchgeführt.  Wir sind sehr gespannt, was sich aus der Aktion weiter entwickelt und möchten die Frauen natürlich gerne weiter unterstützen.

Wieder zurück in Bamako bleibt uns nur noch ein Tag bis zum Abflug, den wir zu einem Treffen mit Dr. Assitan Soumare, die ich bei einem letzten Besuch kennengelernt hatte und zu Einkäufen auf dem Kunsthandwerkmarkt nutzen. Am Vormittag fährt Assitan mit uns zu der Schule für blinde Kinder, die sie unterstützt. Die Schule befindet sich in einem Neubaugebiet am Stadtrand von Bamako. Der Gründer und Leiter der Schule ist Monsieur Diakité. Monsieur Diakité ist selbst seit seiner Kindheit blind, hatte aber, anders als die meisten behinderten Menschen in Mali,  die Möglichkeit eine gute Ausbildung und eine Stelle als Beamter zu bekommen. Diese Chance möchte er auch anderen blinden Menschen geben. Zu dem Projekt gehören eine Schule mit 3 Klassen und ein Internat. Alles wurde von Monsieur Diakité selbst aufgebaut und finanziert, mit der Hilfe von verschiedenen Spendern, aber ganz ohne staatliche Hilfe. Für das Internat wurde ein Haus gemietet. Hier wohnen die 12 blinden Schüler, 8 Jungen und 4 Mädchen, und die 3 blinden Lehrerinnen. Die Kinder und die Lehrerinnen wohnen in sehr einfachen Verhältnissen, wie die Fotos zeigen. Es gibt ein Zimmer für die Jungen, ein Zimmer für die Mädchen und ein Zimmer für die Lehrerinnen. Sehr bemerkenswert ist, dass es sich um eine integrative Schule handelt. In der Schule werden auch normal sehende Kinder unterrichtet, die allerdings zuhause wohnen. Die blinden Kinder zahlen kein Schulgeld, die sehenden Kinder 3 € pro Monat.  Jede der 3 blinden Lehrerinnen hat einen sehenden Assistenten. Der Unterricht wird so gestaltet, dass blinde und sehende Kinder davon profitieren und gute Bedingungen zum Lernen haben. In den 3 Klassen sind Kinder unterschiedlichen Alters, da viele blinde Kinder zunächst nicht eingeschult wurden und so später mit der ersten Klasse begonnen haben als üblich. In der 3. Klasse ist der älteste Schüler 16 Jahre alt.     Die Klassenräume sind sehr einfach, einer ist ein improvisierter Klassenraum aus Holz und Strohmatten fast wie in Dogojne. Monsieur Diakité hat sehr klare Ziele. Ein Brunnen mit Handpumpe wurde bereits gebaut. Vorher gab es keine Wasserversorgung für die Schule. Der Bau einer neuen Schule mit 3 Klassenräumen wurde begonnen, bisher ist aber erst das Fundament fertig. Später soll für die Internatsschüler ein eigenes Haus gebaut werden, dass näher bei der Schule liegt. Die Schule und der Einsatz von Monsieur Diakité haben uns sehr beindruckt und wir sollten überlegen, wie wir die Schule unterstützen könnten.