Malireise vom 14.-29.12.2019

19.12.2019

Dogojne

Wir sind am Mittag mit 2 vollgepacketen Autos von Bamako nach Koutiala aufgebrochen. Koutiala liegt ca. 420 km östlich der Hauptstadt Bamako. Da wir geplant haben, in einem Dorf kostenlose medizinische Untersuchungen durchzuführen, sind  mehrere von Seydous Kollegen mit uns unterwegs. Von Koutiala aus geht es dann über Sandpisten in den Busch zu dem kleinen Dorf Dogojne, unserer ersten Station. Einige von euch haben schon Bilder von der kleinen provisorischen Schule gesehen, die die Dorfbewohner selbst gebaut haben. Inzwischen ist es dunkel und wie immer ist es für mich ein Wunder, wie sich die Fahrer hier orientieren können. Aber wir erreichen das Dorf ohne Probleme. In dem kleinen Dorf mit kleinen Lehmhäusern gibt es keine Elektrizität und es herrscht völlige Dunkelheit. Wir brauchen einen Moment bis sich unsere Augen daran gewöhnt haben.  Das einzige Licht kommt von Handys, die es auch hier gibt und die das einzige Zeichen dafür sind, dass wir nicht aus Versehen in einem früheren Jahrhundert gelandet sind. Viele Dorfbewohner haben sich versammelt. Sie warten bestimmt schon viele Stunden auf uns. Wir nehmen auf den für uns vorgesehene Stühlen Platz. Nach der Begrüßung und Vorstellung schildern die Dorfbewohner ihre Probleme:

Das Dorf hat 1333 Einwohner. Bis vor kurzem hatte das Dorf keine eigene Schule. Die einzige Möglichkeit für die Kinder eine Schule zu besuchen sind 3 Schulen in benachbarten Dörfern, die 9, 12 und 15 km entfernt sind. Das bedeutet also, dass ein kleines Kind mindestens 9 km zu Schule laufen muss und die gleiche Strecke wieder zurück. Die älteren Dorfbewohner erzählen, dass sie nie eine Schule besucht haben und dass selbst heutzutage die meisten Kinder aus dem Dorf, geschätzt ca. 80 %,  keine Schule besuchen.

Die Dorfbewohner wollen diese Situation ändern und haben in Eigeninitiative einen Klassenraum aus Ästen und Stroh gebaut. Es gibt 3 lange, einfache Holzbänke als Sitzgelegenheit für die Kinder und eine Tafel.

Es werden bisher nur Kinder der ersten Klasse unterrichtet. In der Klasse sind 43 Schüler, 16 Mädchen und 27 Jungen. Es gibt einen Lehrer, den die Dorfbewohner selbst bezahlen. Sein Gehalt beträgt 40.000 FCFA/ Monat, das entspricht 61 €. Der junge Lehrer, Oumar Mallé, stammt selbst aus dem Dorf Dogonje. Ich finde sein Engagement, nach der Ausbildung in sein kleines Heimatdorf zurückzukehren, um dort gemeinsam mit den anderen Dorfbewohnern eine Schule aufzubauen, beeindruckend.

In Mali ist Schulgeld üblich. Hier beträgt das Schulgeld pro Kind 500 FCFA/ Monat, das entspricht in etwa 80 Cent. Der Unterricht findet in französischer Sprache statt. Wenn man daran denkt, dass die meisten Eltern der Kinder nur wenig oder gar kein Französisch sprechen, kann man sich vorstellen, wie schwierig der Unterricht für die Kinder ist.

Nach dieser Schilderung der Situation besichtigen wir den Klassenraum. Es ist ganz offensichtlich, dass ab Beginn der nächsten Regenzeit hier kein Unterricht mehr möglich sein wird und dass der Klassenraum die Regenzeit nicht überstehen wird. Hier ist Hilfe ganz dringend notwendig.

Nach der Besichtigung setzen wir die Diskussion fort. Jetzt spricht die Vertreterin der Frauen des Dorfes, Djelika Sanogo. Sie erklärt, dass die Frauen des Dorfes gerne ein Gartenbauprojekt starten würden. Außerdem weißt sie darauf hin, dass weitere dringende Probleme des Dorfes die Wasserversorgung und eine Entbindungsstation seien.  Ich erkläre, dass ich die Idee eines Gartenbauprojekts sehr gut finde und das Wasser die Grundlage von allem ist und dass mir als Gynäkologin die Versorgung der schwangeren Frauen sehr am Herzen liegt, aber dass MALIKO ein kleiner, neuer Verein ist  und wir deshalb nur Schritt für Schritt vorgehen können.

Der Bau eines neuen Klassenraums ist ganz dringend notwendig. Außerdem sind wir alle von dem Engagement und der Eigeninitiative der Dorfbewohner und ihrem Willen ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen beeindruckt und möchten ihnen auf jeden Fall dabei helfen. Wir schlagen vor, dass MALIKO auf jeden Fall versuchen wird, so schnell wie möglich, das Geld für das Baumaterial für einen stabileren Klassenraum, das heißt einen Klassenraum aus Lehmziegeln mit stabilem Dach und Fenstern und Türen, zu sammeln, den die Dorfbewohner möglichst vor  Beginn der Regenzeit selbst bauen werden. Die Dorfbewohner sind sehr froh über diesen Vorschlag. Das nächste Ziel wäre ein etwas größeres Projekt, für das ein Antrag zur Projektfinanzierung notwendig sein wird: Bau von 1-2 Klassenräumen durch einen Bauunternehmer aus Zement verbunden mit der Finanzierung der Fortbildung des Lehrers für den Unterricht in Bambara in den ersten Schuljahren.

Bei positivem Verlauf kann ich mir eine weitere Unterstützung der Dorfentwicklung sehr gut vorstellen, zum weiteres Projekt mit Start eines Gartenbauprojekts für Frauen verbunden mit Wasserversorgung für das Dorf und Schulung in Gartenbau und Wasserschulung (diese Schulungen enthalten in der Regel Wasserhygiene, Bildung eines Komitees von Verantwortlichen für die Wasseranlage, Wartung, Verwaltung wie zum Beispiel die Erhebung von Wassergeld zur Bildung von Rücklagen für Reparaturen).

Am Ende der Versammlung übergeben wir dem Dorf 2 Kartons mit hochkalorischer Nahrungsergänzung für unterernährte Kinder. Danach werden viele gemeinsame Fotos gemacht und anschließend werden wir zum Abendessen eingeladen.

Denjelo

Nach dem Abendessen und ein herzlichen Abschied setzen wir unsere Fahrt durch die Dunkelheit fort und erreichen bald ein weiteres Dorf, Denjelo. Hier gibt es eine neue Maternité (Entbindungsstation), die ihre Arbeit im März 2019 aufgenommen hat. Hier arbeiten 2 Hebammen Ich sehe mir das sorgfältig geführte Geburtenbuch an und erfahre , dass seit März 99 Kinder hier geboren wurden. Wie viele Entbindungsstationen in Mali, ist auch diese nur unzureichend ausgerüstet. Da Seydou mir schon vor einiger Zeit von dieser Entbindungsstation berichtet hat , hat MALIKO ein kleines Paket mit Instrumenten für Entbindungen zusammengestellt. Die Instrumente wurden zum Teil bei der Firma TTM in Marburg gekauft und zum Teil vom Ev. Krankenhaus in Herne gespendet. Das Paket enthält: 1 Holzstethoskop nach Pinard, 1 Nabelschnurschere, 1 Episiotomieschere, mehrere Klemmen und Pinzetten, mehrere Spekula, 1 Nadelhalter, resorbierbares Nahtmaterial, Spritzen und Kanülen, Infusionsbesteck, Pflaster, Blasenkatheter und Nabelklemmen. Außerdem erhält die Entbindungsstation mehrere Kartons mit hochkalorischer Nahrung für Säuglinge und Kinder.

Wir besichtigen die Entbindungsstation und besprechen mit den beiden Hebammen die dringensten Probleme.

Ganz dringend benötigt werden:

Entbindungsbett: die Entbindungen finden im Moment auf einer Plastikplane auf dem Boden statt

  • Licht: in der Nacht wird nur mit dem Licht einer Taschenlampe gearbeitet
  • Babywaage

 MALIKO könnte eine Babywaage und mindestens 2 Solarlampen besorgen. Sobald der Transport (das heißt Lager, Container etc. geklärt ist, auch ein Entbindungsbett)

Nach der Übergabe des Materials und der Besichtigung der Entbindungsstation wurden wir dann zum zweiten Mal an diesem Abend zum Essen eingeladen. Die Gastfreundschaft in Mali ist sensationell und man kann so eine herzliche Einladung nicht ablehnen!

 

Auf dieser Matte müssen die Frauen ihre Kinder gebären.

20.12.2019

CSCom de N‘Goutjiena

Einigen von Euch habe ich bestimmt schon erzählt, dass Seydou und ich mehrere gebrauchte Ultraschallgeräte sowie mehrere Brutmaschinen für Hühnereier in Deutschland eingekauft, in alte Sprinter oder VW-Busse verladen und per Schiff nach Mali geschickt haben. Einmal sind wir sogar selber mit einem vollbeladenen Bus bis Mali gefahren.

In einem früheren Infobrief habe ich schon mal darüber geschrieben, dass in zu den Ländern mit sehr hoher Mortalität von Frauen und Neugeborenen unter der Geburt zählt. Diese hohe Rate kann man unter anderem dadurch senken, indem man Risiken durch Ultraschalluntersuchungen rechtzeitig erkennt: Plazenta praevia, Lageanomalien wie Beckenendlage oder Querlage, außergewöhnlich großes oder kleines Kind, Hinweise auf Plazentainsuffizienz u.s.w..

Hühner werden in Mali überall gehalten und Huhn und Eier sind beliebte Nahrungsmittel. Mit Hilfe der Brutmaschinen können die Erträge erhöht werden und damit die Ernährung verbessert sowie ein Einkommen für die Familie erzielt werden. Es handelt sich hier also wirklich um Hilfe zur Selbsthilfe! Seydou hat schon einige ländliche Gesundheitszentren mit Ultraschallgeräten versorgt und die Ärzte dort kostenlos in den Grundlagen geschult. Außerdem haben mehrere Dörfer eine Brutmaschine erhalten und werden nach und nach in dem Gebrauch geschult.

Diesmal konnte ich zum ersten Mal bei einer feierlichen Übergabe dabei sein. N‘Goutjiena hat eine kleine Kranken- und Entbindungsstation, die das Ultraschallgerät erhalten hat.

Außerdem hat Seydou die verschiedenen Produkte aus Mangos vorgestellt, die wir in Deutschland gekauft haben: Marmelade, Saft, Mangos in Dosen, sogar alkoholfreien Sekt mit Mangogeschmack.

In Mali gibt es riesige Mengen der leckersten Mangos, die man sich vorstellen kann, ein weitgehend ungenutzter Reichtum.

Deshalb plant MALIKO ein Projekt zur Schulung von Frauen in der Weiterverarbeitung von Mangos, zum Beispiel zu Mangomarmelade.

Nach der Übergabe begannen die kostenlosen Untersuchungen. Es warteten bereits viele Patienten und Patientinnen. Obwohl wir 4 Ärzte waren, haben wir fast 5 Stunden ohne Pause gearbeitet und über 100 Patienten behandelt. Die anderen waren bestimmt viel schneller als ich, da ich für alles einen Übersetzer brauchte und außerdem immer wieder die Untersuchungen unterbrechen musste, um Fragen zu den aus Deutschland mitgebrachten Medikamenten zu beantworten. Eine weitere Herausforderung war es für mich, dass die Patientinnen nicht nur wegen Schwangerschaftsbeschwerden und gynäkologischen Problemen wie Unterbauch- und Vaginalbeschwerden zu mir kamen, sondern auch meinen Rat bei Kopfschmerzen, Rückenschmerzen,  Magenschmerzen, Atembeschwerden und Gelenkbeschwerden suchten! Zum Glück hatte ich die ganze Zeit motivierte, hilfsbereite Übersetzer zur Seite! Wir haben unser Bestes getan und hatten zwischendurch immer wieder viel Spaß!

Am Abend kehrten wir alle müde, aber sehr zufrieden nach Koutiala zurück.

21.12.2019

Wolognenasso

Unsere erste Station an diesem Tag war das kleine Dorf Wolognenasso. Auch hier wurden eine Brutmaschine und ein kleines tragbares Ultraschallgerät übergeben. Nach dem herzlichen Empfang hatten wir die Gelegenheit uns eine schon ganz gut funktionierende  Hühnerzucht in der Nähe anzusehen und anschließend gab es noch ein wunderbares gemeinsames Mittagessen.

N‘Gueguesso

Am Nachmittag ging es weiter zu dem Dorf N‘Gueguesso. Auch hatten sich  schon viele Dorfbewohner auf einem schönen Platz unter Mangobäumen versammelt und erwarteten uns. Die Dorfbewohner haben vor allem 2 Dinge auf dem Herzen; die Situation ihrer Entbindungsstation und ihren Wunsch nach dem Bau eines Staudamms. Nach der gegenseitigen Vorstellung und einer kurzen Schilderung der Situation machten wir zuerst einen Rundgang, um einen Eindruck von der Situation  zu bekommen und vor der Dämmerung Fotos zu machen.

N‘Gueguesso ist ein Dorf mit ca. 1.600 Einwohnern. Es gibt eine Maternité, ansonsten keine Gesundheitseinrichtung. Das nächste CSCom ist 15 km entfernt. Dort werden aber keine Operationen durchgeführt. Für eine Operation, zum Beispiel für einen Kaiserschnitt, müssen die Patientinnen in die ca. 60 km entfernte Stadt Koutiala gebracht werden. In der Maternité arbeitet eine einzige Matrone. Sie heißt Mariam Daou und ist seit 2006 dort. Sie erzählt uns, dass auch Frauen benachbarten Dörfern kommen und durchschnittlich ca. 100 Entbindungen im Monat stattfinden. Die Matrone und die anderen Dorfbewohner berichten über folgende Probleme die Entbindungsstation betreffend:
Das Gebäude ist in Ordnung und mit einer Solaranlage ausgestattet, die Solaranlage und die Batterien fallen aber häufig aus.

Die Ausrüstung ist unzureichend aber zum Teil alt, laut der Matrone fehlen besonders dringend ein Blutdruckmessgerät und eine Babywaage.

Es gibt keine eigene Wasserversorgung für die Maternité, das Wasser muss aus dem Brunnen, der Schule geholt werden.

Es gibt nur die eine Matrone, keine weiteren Mitarbeiter. Die einzige Matrone muss also rund um die Uhr einsatzbereit sein und das seit nunmehr 13 Jahren. Die Dorfbewohner haben beim zuständigen Bürgermeister angefragt, ob die Entsendung einer weiteren Matrone möglich wäre, der Antrag wurde aber abgelehnt, da keine Mittel vorhanden seien.

Das größte Problem ist jedoch der Transport der Kranken und Gebärenden in Notfällen, wenn eine Operation , zum Beispiel ein Kaiserschnitt notwendig ist:

Die Kranken müssen die über 60 km weite Strecke bis nach Koutiala transportiert werden.

Außer Mopeds gibt es keine Fahrzeuge im Dorf.

Das allergrößte Problem aber ist, dass es nur eine, nicht asphaltierte Straße oder besser gesagt Sandpiste, Richtung Koutiala gibt. Dieser Weg führt direkt am Rand des Dorfes durch eine Senke in deren Mitte sich jetzt, während der Trockenzeit ein kleiner Tümpel befindet, der aber während der Regenzeit zu einem großem See heranwächst, der die Straße unpassierbar macht. Dann ist das Dorf oft komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

Man braucht nicht viel Phantasie, um sich die katastrophale Situation eines kranken Kindes oder Erwachsenen, eines Verletzten oder einer Frau in Wehen und der Angehörigen unter solchen Bedingungen vorstellen. Die Chance, dass Mutter und Kind im Falle einer Geburtskomplikation rechtzeitig das Krankenhaus in Koutiala erreichen ist gering.

Der Wunsch der Dorfbewohner ist es, eine Brücke und gleichzeitig einen kleinen Staudamm zu bauen, so dass die Straße jederzeit passierbar wird und gleichzeitig ein Stausee entsteht, der zur Fischzucht und zum Angeln genutzt werden kann.

Dadurch werden Krankentransporte jederzeit möglich. Gleichzeitig können die Dorfbewohner ihre Ernährung durch Fisch verbessern. Fisch ist ein gesundes, eiweiß- und proteinreiches Lebensmittel, dass die Ernährung der häufig unter – und mangelernährten Dorfbewohner deutlich verbessert und außerdem ein in Mali beliebtes Lebensmittel. Bei guter Ausbeute können auch Fische verkauft werden und die Dorfbewohner können ein kleines Einkommen erzielen.

Die möglichen Schritte für die Problemlösung werden ausführlich diskutiert. MALIKO Deutschland wirdsich als ersten Schritt um die Verbesserung der Ausstattung der Maternité kümmern.

Die Dorfbewohner und MALIKO Mali werden Kostenvoranschläge für die Baumaßnahmen einholen. Bei dem Bau des Staudamms handelt es sich natürlich um ein Projekt, dass MALIKO nicht allein aus Spendengeldern finanzieren kann. Es wird ein Projektantrag zur Unterstützung der Fianzierung, z.B. bei einer größeren Organisation oder Stiftung notwendig werden. Wir erklären den Dorfbewohnern, dass zwar die Realisation in Form eines einzigen großen Projekts am einfachsten wäre, dass dies aber wahrscheinlich nicht möglich sein wird, da MALIKO eine neue, kleine Organisation ist, die zunächst wahrscheinlich nur eine Finanzierung für Kleinprojekte erhalten kann.

Die Notwendigkeit der Eigenbeteiligung der Dorfbewohner wird ebenfalls erläutert.

Sie sind damit sofort vollständig einverstanden, ziehen aber eine Beteiligung in Form von Material und körperlicher Arbeit anstelle einer finanziellen Beteiligung vor.  Die Diskussion verläuft lebhaft und alle Dorfbewohner sind sehr motiviert und setzen großen Hoffnungen in das Projekt.

Nach dem Bau des Staudamms werden die nächsten notwendigen Schritte eine Schulung der Dorfbewohner in Fischzucht und der Ausbau der Fischzucht sein. Weitere denkbare Schritte: Wasserversorgung für die Entbindungsstation.

Nach der Verbesserung der Situation der Maternité, bei guten Funktionierem und ggf. steigender Geburtenzahlen erneute Anfrage beim Bürgermeister und beim Chefarztes des zuständigen Krankenhauses nach einer 2. Matrone, bei erneuter Ablehnung ggf. vorübergehende Finanzierung durch MALIKO.

Anschaffung eines Fahrzeuges für Krankentransporte, Materialbeschaffung und Fischverkauf.

Beim Abschied hoffen wir alle auf ein baldiges Wiedersehen und auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Ich hoffe sehr, dass wir den Menschen hier helfen können

24.12.2019

Treffen mit Dr. Sima, dem Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe der Universitätsklinik Point G in Bamako. Inhalt des Gespräches MALIKO betreffend:

Wunsch, in Zukunft mit MALIKO zu kooperieren und trotz der bisherigen Schwierigkeiten weiterhin zu versuchen an der Etablierung der gynäkologischen laparoskopischen Operationen weiterzuarbeiten. Das bedeutet: 1.) Schrittweise Ausrüstung der Klinik mit dem notwendigen Material. 2.) Es besteht der große Wunsch, dass ein Team aus Operateur, OP-Schwester oder OP-Pfleger und ggf. Anästhesist für ca. 1 Woche nach Bamako kommt um das Team dort zu schulen und gemeinsam zu operieren. Ich würde mich einem solchen Team als Organisatorin, Übersetzerin und Assistentin zur Verfügung stellen.

25.12.2019

Zu meiner großen Freude konnte ich heute Assitan Soumare treffen, eine malische Ärztin, die in Bonn Medizin studiert hat und ein Buch auf Deutsch geschrieben hat , in dem es um die Erfahrungen einer malischen Studentin Deutschland und die Begegnung der unterschiedlichen Kulturen geht.

Frau Soumare berichtete über zwei humanitäre Projekte, die ihr am Herzen liegen und die sie unterstützt. Zum einen geht es zum die Unterstützung von Straßenkindern in Bamako , zum anderen  um ein Internat und eine Schule für blinde Kinder. Die Organisation wurde gegründet und wird geleitet von einem Mann der selber blind ist. Er hat ein Haus gemietet, in dem die Kinder leben können. Die Schule befindet sich noch im Bau. In einem kurzen Film konnte ich 2 Kinder sehen, die sich erstaunlich sicher und selbstständig auf dem Gelände bewegen. Ich stellte kurz MALIKO und unsere ersten Projektideen vor und wir vereinbarten, uns über e-mail weitere Informationen über unsere Organisationen und Projekte zuzusenden und über Kooperationsmöglichkeiten nachzudenken. Wir hoffen, dass wir uns bei dem nächsten Besuch von MALIKO wieder treffen können. Zum Abschied hat mir Frau Soumare ein Exemplar ihres Besuches geschenkt. Ich bin sehr gespannt es zu lesen, denn natürlich interessiert mich die Sichtweise einer Malierin auf Deutschland  sehr und außerdem bin ich mir sicher, dass das Buch viele Erinnerungen an mein eigenes Medizinstudium und auch an die vielen glücklichen Zeiten, die ich bei meinen beiden Freundinnen, die in Bonn studierten, verbracht habe, wachrufen wird.

26.12.2019

Dieser Teil meines Berichtes gehört eigentlich nicht meinem Bericht für MALIKO, den an diesem Tag war ich nicht für MALIKO unterwegs, sondern als Repräsentantin von CMEA e.V., dem Haut Conseil des Maliens à l‘exterieur Allemagne, der Organisation der in Deutschland lebenden Malier. Es hat sich so ergeben, auch wenn ich sicherlich nicht die typische Vertreterin der Malier in Deutschland bin. Zum Glück war Seydou als Unterstützung und Übersetzer an meiner Seite. Und Modibo Sylla von CMEA, der alles hervorragend und mit riesigem Engagement organisiert hat. Auch wenn dieser Einsatz wie gesagt nicht zu meinen Aktivitäten für MALIKO gehört , möchte ich kurz darüber berichten, weil es sich um eine wichtige Erfahrung und wichtige Informationen handelt und  ich möchte, dass die Situation, wir vorgefunden haben und der Appell, den wir am Ende des Berichtes an unsere ärztlichen Kollegen in Deutschland richteten, möglichst vielen Menschen bekannt werden.

CMEA hatte anlässlich des Malischen Unabhängigkeitstages im September ein großes Fest in Hamburg organisiert. Bei diesem Fest wurden Spenden gesammelt und es wurde entschieden, dass diese Spenden den Menschen zu Gute kommen sollen, die im Moment in Mali von dem allergrößten Leid betroffen sind. Es sind Menschen, die aufgrund von bewaffneten Überfällen ihre Dörfer verlassen mussten und jetzt als Flüchtlinge leben. Ihre Dörfer wurden zerstört und viele ihrer Angehörigen getötet.

Von dem auf dem Fest gesammelten Geld konnten 40 Säcke Reis gekauft werden, die wir dem Flüchtlingslager Faladie in Bamako übergeben haben.  In dem Lager leben 301 Familien, insgesamt 1041 Menschen (196 Männer, 392 Frauen, 453 Kinder).  Die Menschen kommen aus folgenden Gebieten Malis: Koro, Bangas, Douentza, Bandiagara und Djene). Sie leben in dem Lager unter extremen Bedingungen. Eine winzige Hütte aus Holz, Stroh und Plastikplanen reiht sich neben die andere. Dieses Flüchtlingslager ist nicht das einzige in Bamako, es gibt noch weitere: Senou mit 107 Familien, Centre Mabilé mit 61 Familien, Yamana mit 33 Familien und Dialakorobougou mit 41 Familien.

Die Reissäcke werden dem Repräsentanten der Flüchtlinge Herrn Hama Diallo übergeben. Viele der Flüchtlinge sind anwesend, Frauen, Männer und Kinder. Die Übergabe wird von einem Fernsehsender gefilmt. In unserer Ansprache auf Deutsch, Französisch und Bambara apellieren wir an alle Malier in Mali, in Deutschland und in allen anderen Ländern sowie an alle Menschen, ebenfalls für die Flüchtlinge zu spenden, da der Beitrage von CMEA in Anbetracht der vielen Menschen nur eine kleine, wenn auch extrem wichtige und großartige Geste darstellt. Am Schluss nutzen wir die Gelegenheit um unsere ärztlichen Kollegen in Deutschland um Hilfe bei der Sammlung von Medikamenten, Verbandsmaterial und Instrumenten für Untersuchungen und kleine Eingriffe zu unterstützen, denn auch diese werden dringend benötigt. Weitere Informationen, Ansprechpersonen, Bilder und Film finden sich auf der Homepage von CMEA e.V..